

06.06.2024
Denken Sie neu: Kreativität jenseits der Box
Götz Ulmer, renommierter Kreativkopf bei David+Martin, spricht am 12. Juni auf dem Schweizer Markenkongress. Er enthüllt, warum "Outside-the-box-Thinking" oft scheitert und wie echte Innovationen entstehen. Vorab haben wir ihn zum Interview getroffen.
Herr Ulmer, Sie sagen, dass man schon verloren hat, wenn man an "Outside-the-box-Thinking" glaubt. Was genau meinen Sie damit und wie könnte ein besserer Ansatz aussehen?
Götz Ulmer: „Outside-The-Box-Thinking“ wird meist von Leuten zur Anwendung gebracht, die gewohnt sind die richtigen Boxen ticken, anstatt nicht richtig zu ticken. Dafür braucht es nämlich keine Workshops, keine Präsentationskoffer, keine Rudelbildung und vor allem: kein lineares, logisches Vorgehen.
Nicht richtig zu ticken - im positiven Sinne - braucht nicht nur Mut, sondern ist die Grundvoraussetzung für wirklich Neues.
Sehen Sie AI mehr als Werkzeug zur Unterstützung von Kreativen oder könnte sie eines Tages die menschliche Kreativität vollständig ersetzen?
Götz Ulmer: Das kreative Mittelmass wird in Zukunft von der AI vollständig ersetzt. Und sie wird gleichzeitig ein noch wertvolleres Tool, um Prozesse extrem zu beschleunigen, Denkanstösse zu fördern und die Angst vor dem weissen Screen ad acta zu legen. Spitzenkreation wird sie allerdings nie ersetzen können, denn diese ist nicht vom bisherigen Wissenspool der Menschheit trainiert worden, sondern immer neu und einzigartig.
Sie raten, jeder Idee zu misstrauen, die man richtig gut findet. Warum ist das so?
Götz Ulmer: Die erste Idee ist selten gut. (Bis auf wenige Ausnahmen, die mich hier Lügen gestraft haben).
Die ersten Ideen müssen einfach erstmal raus. Sie machen irgendwann Platz für die Guten, die Besonderen, den lange unterbewusst Gegärten. Die besten sind übrigens die, die ungefragt kommen. Das deckt sich mit der Erfahrung von Musikern, die Welthits in 5 Minuten geschrieben haben. Die Idee sucht oft die Kreativen, nicht die Kreativen die Idee. Das macht es leider nicht leichter.
Welche Quellen oder Methoden nutzen Sie, um immer wieder neue und ungewöhnliche Ideen zu finden und Ihre Kreativität zu fördern?
Götz Ulmer: Input, Input, Input. Und Input. Ich sauge alles auf. Ob Museen, Podcasts, Pulitzerpreis-Literatur, alberne Snapchats, Silberplattenphotographien, Indie-Games, Comics, Reaction Videos, Arthouse-Filme, jegliche Musik. Irgendwann macht sich das bezahlt und mein Gehirn spuckt etwas passendes aus.
Sie waren bei JvM und McCann in führenden Positionen und sind jetzt bei David+Martin. Wie hat sich Ihr persönlicher Ansatz zur Kreativität in dieser Zeit verändert?
Götz Ulmer: Eigentlich ist der immer gleich geblieben. Ich liebe es, mutige Ideen zu machen bzw. dabei zu sein, wenn sie entstehen. Die Grenzen austesten. Eine wunderbare Droge. Bei David + Martin traf ich da endlich wieder auf einen verrückten Haufen Gleichgesinnter.
Welche Strategien würden Sie Marken empfehlen, um ihre Innovationsfähigkeit zu bewahren und zu stärken?
Götz Ulmer: Es würde Marken gut tun, eine flexiblere Schnittstelle zu schaffen, an der kreative Menschen innerhalb ihres Systems leichter andocken können. Oftmals sind Konzernstrukturen nicht flexibel genug, um Misfits auszuhalten. Sollte sie aber. Dann muss man auch keine Out-Of-The-Box-Thinking Workshops machen.
Wo sehen Sie die Kreativbranche in fünf bis zehn Jahren? Welche Veränderungen erwarten Sie?
Götz Ulmer: Für Kreative wird es keinen Unterscheid mehr machen, ob sie Influencer sind, Creators oder „Werber“ sind. Sie werden mühelos in allen Kanälen spielen können. Die Grenzen zwischen den Disziplinen werden somit verschwimmen. Genauso wie starre Strukturen. Es wird eher extrem flexiblen Kollektiven gleichen denn organisierten Firmen.
Anmeldung und Informationen zum Schweizer Markenkongress unter: www.marken-kongress.ch
Kontakt
davidmartin Holding GmbH
Götz Ulmer
Mail: goetz.ulmer@davidundmartin.com
Web: www.davidundmartin.com
